Wenn man in Deutschland Lehrer werden möchte, muss man wissen, welche Wege es gibt, was in jeder Phase zu tun ist, wie lange es dauert, wie viel man verdienen kann und wie ausländische Abschlüsse anerkannt werden. Dieser Artikel stellt nacheinander vor: den traditionellen Ausbildungsweg (Studium + Referendariat), die Wege des Quer- und Seiteneinstiegs, die Bewerbungsvoraussetzungen für das Referendariat, die konkreten Inhalte der Referendariatsausbildung, den zeitlichen Aufwand und Prüfungsrhythmus während der Ausbildung, die Einkommensmöglichkeiten während der Ausbildung, die wichtigsten Unterschiede zwischen den Bundesländern, die Entwicklungsmöglichkeiten nach der Einstellung sowie zuletzt häufig gestellte Fragen.
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1. Traditioneller Weg: Studium + Referendariat
Dies ist der häufigste Weg, Lehrer zu werden, und besteht aus zwei Phasen.
Erste Phase: Lehramtsstudium
- Dauer: in der Regel 3 bis 5 Jahre
- Abschluss: Erste Staatsprüfung oder Master of Education
- Inhalte: zwei Unterrichtsfächer + Bildungswissenschaften
- Geeignet für: Personen, die direkt nach dem Abitur an die Universität gehen
Zweite Phase: Referendariat / Vorbereitungsdienst
- Dauer: Für Grundschullehrämter in der Regel 18 Monate, für alle anderen Lehrämter in der Regel 24 Monate (leichte Unterschiede je nach Bundesland)
- Art: Bezahlte praktische Ausbildung an Schulen und im Studienseminar
- Abschluss: Zweite Staatsprüfung
- Bestehensquote: Bundesweit in der Regel über 90 %, variiert je nach Bundesland und Schulform
- Nach Bestehen erhält man die volle Lehrbefähigung
2. Alternative Wege: Quer- und Seiteneinstieg
Wer kein traditionelles Lehramtsstudium absolviert hat, aber trotzdem Lehrer werden möchte, kann diese beiden Wege in Betracht ziehen.
| Typ | Geeignet für | Ausbildungsform |
|---|---|---|
| Quereinstieg | Personen mit einem Masterabschluss in einem relevanten Fach (z. B. Mathematik, Deutsch, Physik), aber ohne Lehramtsstudium | Teilnahme am verkürzten Referendariat oder speziellen Qualifizierungsprogramm, in der Regel 18-24 Monate |
| Seiteneinstieg | Personen mit einem Hochschulabschluss, die ohne vorheriges Referendariat direkt in den Schuldienst einsteigen | Direkter Einstieg in den Unterricht mit paralleler pädagogischer Qualifizierung |
Wichtiger Hinweis: Der Lehrerberuf ist in Deutschland ein reglementierter Beruf. Unabhängig vom traditionellen oder alternativen Weg ist am Ende eine staatlich anerkannte Lehrbefähigung erforderlich, um uneingeschränkt unterrichten zu dürfen.
3. Welche Voraussetzungen für die Zulassung zum Referendariat erfüllt sein müssen
Egal ob über den traditionellen Weg oder den Quer-/Seiteneinstieg – für die Zulassung zum Referendariat sind in der Regel folgende Bedingungen zu erfüllen:
- Erfolgreich abgeschlossenes Hochschulstudium in einem lehramtsbezogenen Studiengang (oder gleichwertig anerkannte Qualifikation)
- Vorlage des Zeugnisses über die Erste Staatsprüfung oder des Master of Education
- Nachweis ausreichender Deutschkenntnisse: in der Regel Niveau C1 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GER)
- Gesundheitliche Eignung für den Schuldienst
- Vorlage eines polizeilichen Führungszeugnisses
Die Bewerbung ist direkt bei der zuständigen Behörde des jeweiligen Bundeslandes einzureichen (z. B. Regierungspräsidium, Staatliches Schulamt). Dabei kann ein Wunschort angegeben werden, eine Garantie auf Zuweisung an diesen Ort besteht jedoch nicht.
4. Was genau im Referendariat gelernt wird (Inhalte der Ausbildung)
Nach Eintritt in das Referendariat gliedert sich die Ausbildung in zwei Hauptbereiche: Schulpraxis und Seminartheorie.
Schulpraktischer Teil:
- Selbstständige Übernahme eines bestimmten Stundenkontingents (zu Beginn meist 8-12 Unterrichtsstunden pro Woche, später steigend)
- Vorbereitung, Durchführung und Nachbesprechung von Unterricht unter Anleitung eines Mentors
- Beteiligung an Klassenführung, Elternarbeit und Schulveranstaltungen
- Absolvieren von Hospitationsstunden (Unterrichtsbesuche bei erfahrenen Lehrkräften)
Teil im Studienseminar:
- Pädagogik und Didaktik: Klassenführung, Unterrichtsplanung, Bewertungsmethoden, differenzierender Unterricht
- Fachdidaktik: spezifische Unterrichtstechniken für die beiden Fächer
- Rechts- und Verwaltungsgrundlagen: Schulrecht, Beamtenrecht, Notengebung
- Psychologie und Beratung: Jugendentwicklung, Lernmotivation, Krisenintervention
Prüfungsinhalte:
- In der Regel sind 2-4 Unterrichtsbesuche mit Bewertung (Prüfungsstunden) abzuleisten, die von einem Seminarleiter vor Ort beobachtet und benotet werden
- Verfassen von Unterrichtsentwürfen und Reflexionsberichten
- Teilnahme an schriftlichen oder mündlichen Prüfungen
- Abschließende Zweite Staatsprüfung mit praktischer Unterrichtsprüfung und schriftlichen/mündlichen Prüfungen
Die genauen curricularen Vorgaben und Gewichtungen können je nach Bundesland unterschiedlich sein, der Gesamtrahmen ist jedoch ähnlich.
5. Zeitlicher Aufwand und Prüfungsrhythmus während der Ausbildung
Der zeitliche Ablauf des Referendariats sollte im Voraus bekannt sein, um beurteilen zu können, ob er zur eigenen Lebenssituation passt.
Wöchentlicher Zeitaufwand:
- Unterricht an der Schule: ca. 12-18 Stunden (à 45 Minuten)
- Unterrichtsvorbereitung und Korrekturen: ca. 10-15 Stunden pro Woche
- Seminare im Studienseminar: in der Regel ein halber oder ganzer Tag pro Woche (ca. 4-6 Stunden)
- Selbststudium und Reflexion: ca. 5-10 Stunden pro Woche
Prüfungsrhythmus:
- Frühe Phase (erste 3-4 Monate): Einarbeitungsphase, keine benoteten Unterrichtsbesuche
- Mittlere Phase (ab dem 5. Monat): nach und nach benotete Unterrichtsbesuche, in der Regel alle 1-2 Monate
- Endphase: Zweite Staatsprüfung, in der Regel 2-3 Monate vor Ende der Ausbildung
- Sollte ein Unterrichtsbesuch nicht bestanden werden, gibt es in der Regel eine Wiederholungsmöglichkeit; sollte die Zweite Staatsprüfung nicht bestanden werden, ist ebenfalls eine Wiederholung möglich, manche Bundesländer erlauben eine Verlängerung der Ausbildungszeit um 6 Monate
Ferienregelung:
- Während der Schulferien findet kein Unterricht statt, aber das Studienseminar bietet teilweise Seminare an oder verlangt die Anfertigung von Aufgaben
- Auch in den Ferien müssen Prüfungsvorbereitungen und Materialerstellungen erfolgen
6. Wie hoch ist das Einkommen während der Ausbildung
Während des Lehramtsstudiums:
- Bei Erfüllung der Voraussetzungen kann BAföG beantragt werden (teilweise Zuschuss, teilweise zinsloses Darlehen)
- Stipendien z. B. vom DAAD oder von Begabtenförderungswerken sind möglich
Während des Referendariats:
- Monatliche Besoldung (für Beamtenanwärter) oder tarifliches Entgelt
- Ab August 2026 werden alle verbeamteten Lehrkräfte nach Besoldungsstufe A13 bezahlt
- Die genaue Höhe ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Für 2026 sind strukturelle Erhöhungen zwischen 3,2 % und 5 % geplant
Für Quer- und Seiteneinsteiger:
- Wer eine berufliche Aufstiegsfortbildung absolviert, kann unter Umständen das „Aufstiegs-BAföG“ beantragen, das Zuschüsse und zinsgünstige Darlehen umfasst
7. Wichtigste Unterschiede zwischen den Bundesländern (eigene Recherche im jeweiligen Land erforderlich)
Die 16 deutschen Bundesländer unterscheiden sich in vielen Punkten der Lehrerausbildung. Hier sind einige wesentliche Unterschiede:
- Dauer des Referendariats: Grundschulämter meist 18 Monate; andere Ämter zwischen 18 und 24 Monaten (z. B. in Bayern sind einige Ämter weiterhin 24 Monate)
- Besoldungshöhe: Die gleiche Besoldungsstufe (z. B. A13) kann in verschiedenen Bundesländern unterschiedlich hoch sein, da die Länder die Beamtenbesoldung selbst festlegen
- Zugangsvoraussetzungen für Quer-/Seiteneinstieg: Manche Länder akzeptieren nur einen Masterabschluss, andere bei Mangelfächern auch einen Bachelorabschluss plus Berufserfahrung
- Anerkennung ausländischer Abschlüsse: Jedes Land hat eigene Anerkennungsstellen, die benötigten Unterlagen und Bearbeitungszeiten variieren
- Verbeamtung oder nicht: Manche Länder verbeamten ihre Lehrkräfte grundsätzlich, andere stellen sie eher im Angestelltenverhältnis ein
8. Fortbildung und Aufstiegsmöglichkeiten nach der Einstellung
Nach Erhalt der vollen Lehrbefähigung gibt es folgende Entwicklungsmöglichkeiten:
- Aufstieg in Führungspositionen: Bewerbung als Studienrat/Oberstudienrat, Fachbereichsleiter, Jahrgangsleiter, stellvertretender Schulleiter oder Schulleiter – in der Regel sind dafür Zusatzqualifikationen erforderlich
- Wechsel in die Bildungsverwaltung: Tätigkeit im Staatlichen Schulamt, im Landesinstitut für Lehrerfortbildung oder in der Schulaufsicht möglich
- Promotion: Lehrkräfte mit Masterabschluss können in Pädagogik oder einem Fachgebiet promovieren und anschließend an einer Hochschule in der Lehrerbildung tätig werden
- Verpflichtende Fortbildung: Viele Bundesländer verlangen von aktiven Lehrkräften regelmäßige Teilnahme an Fortbildungen, um die Unterrichtserlaubnis aufrechtzuerhalten
9. Häufig gestellte Fragen (FAQ)
F: Wie lange dauert das Referendariat?
A: Für Grundschullehrämter in der Regel 18 Monate, für andere Lehrämter in der Regel 24 Monate. In einzelnen Bundesländern gibt es Abweichungen.
F: Kann man auch ohne Lehramtsstudium Lehrer werden?
A: Ja. Als Quereinsteiger oder Seiteneinsteiger ist dies unter bestimmten Voraussetzungen möglich.
F: Werden ausländische Lehrerabschlüsse in Deutschland anerkannt?
A: Ja, man kann ein Anerkennungsverfahren beantragen. Da der Lehrerberuf reglementiert ist, muss bei der zuständigen Behörde des Bundeslandes, in dem man tätig werden möchte, ein Antrag auf Gleichwertigkeit gestellt werden. Die Verfahren sind in jedem Bundesland unterschiedlich.
F: Welches Sprachniveau auf Deutsch wird benötigt?
A: In der Regel wird der Nachweis von Niveau C1 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GER) verlangt.
Diese Informationen dienen nur der allgemeinen Information. Für konkrete Anforderungen, Anerkennungsverfahren und Besoldungsstandards in der Lehrerausbildung wenden Sie sich bitte direkt an die zuständigen Bildungsbehörden des jeweiligen Bundeslandes, um die aktuellsten Regelungen zu erfahren.
Quellen
- https://www.fr.de/frankfurt/lehrkraefte-warnen-vor-untergang-der-lehrerbildung-in-hessen-93631356.html
- https://en.life-in-germany.de/career-change-to-teaching-in-germany/
- https://en.life-in-germany.de/becoming-a-teacher-through-lateral-entry-in-germany/
- https://www.gew-hessen.de/aktuelles/detail/starker-protest-gegen-kuerzungen-in-der-lehrkraefteausbildung/
- https://th-schul.zfinder.de/vorbereitungsdienst/anmeldung-zum-vorbereitungsdienst.html
- https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/02607476.2025.2520264
- https://themunicheye.com/educational-pathways-for-greater-flexibility-teacher-shortage-in-german-schools-projected-to-last-until-2033-21289
- https://www.theeyenewspapers.com/uncategorized/unveiling-the-unfolding-crisis-of-teacher-shortages-in-germany/
- https://www.eduserver.de/dealing-with-teacher-shortage-in-germany-a-closer-view-of-four-federal-states-14460
- https://cice.shnu.edu.cn/82/07/c43486a827911/page.htm
- https://www.news4teachers.de/2026/04/lehramtsstudium-mit-bezahlung-und-frueher-schulpraxis-bewerbungen-jetzt-moeglich/